Insights aus der Wein-Werkstatt

Annäherung an die neue Welt: Weine aus Kalifornien

Mit den ersten Weinen aus Kalifornien wechselt unser Kurs den Kontinent: wir sind in der Neuen Welt angekommen. Hier die Notizen von diesem Abend:

Fumé blanc 2010, Robert Mondavi Vinery
Klares, mittleres Zitronengelb; In der Nase ausgeprägt, Ananas, Litchee, Feldsalat, fein-würzige (Holz-)noten;
Am Gaumen trocken, Säure mittel(+), Alkohol mittel(+), mittlerer Körper, Intensität mittel (+), Limetten, exotische Früchte, mineralische Noten, Abgang mittel (+); sehr guter Wein, kann jetzt getrunken werden, mittlerer Preis.

Pinot Noir Scott Familiy Estate 2010, Monterey County
Klares, mittleres rubinrot mit feinem Wasserrand; Ausgeprägter, sauberer Duft, in der Entwicklung, Kirsche, Rote Früchte, feine Vanillenote;
Trocken am Gaumen, Tannine mittel (-), Alkohol hoch (Kirschwasser), Körper mittel, mittlere Geschmacksintensität, feinwürzig, rotfruchtig, mittlere Länge, samtige Textur, etwas Holz im Nachhall.

Zinfandel, Avalon 2011, Sonoma County
Klares, mittleres rubinrot, aufgehellt zum Rand; mittlere Intensität in der Nase, Pflaumen, sehr würzig, Nelken, Lorbeer, rauchige Noten;
Trocken am Gaumen, mittel(-) Säure, Tannine mittel, Alkohol mittel(+), mittlerer Körper, rauchig, würzig, Kompott, mittlerer Abgang

Cabernet Sauvignon 2010, Stony Terrace, Napa Valley
Klares, tiefes purpurrot mit feinem Wasserrand; sauber, ausgeprägt, in der Entwicklung, würzig, kalter Rauch, Lapsang Souchong, Bitterschokolade, Kaffeenoten,
Am Gaumen trocken, Säure mittel (+), Tannine mittel (+), Alkohol ebenso, mittlerer Körper, Intensität ausgeprägt, Peperoni, mittlerer Abgang

Vor 188 Woche gesendet

Spanische Weine: das Klima beeinflusst merklich

Spanien gehört zu den grössten und wichtigsten Weinproduzenten weltweit. Vieles ist in Bewegung, Weine und Regionen werden neu interpretiert. Die klimatischen Bedingungen sind gegeben, und immer noch kann man diese erfahren, wie ein Selbstversuch im Level 3 Kurs zeigt.

Über 48 Kilometer Küstenzone erstreckt sich das Gebiet Rias Baixas in Galizien. Die Küstennähe bringt mehr Feuchtigkeit bei deutlich kühleren Temperaturen mit sich. Galizien ist ein Weissweinland mit der vorherrschenden Sorte Albarino.

Albarino Gundian 2011; Rias Baixas, Galicia
Mittleres zitronengelb, klar, feiner Wasserrand; Sauber in der Nase, Intensität mittel(+), jugendlich, Limettenschalen, weisser Pfirsich, Trocken am Gaumen, Säure mittel(+), mittlerer Alkohol, Körper mittel(+), keine Holzaromen, frische Zitrusnoten, Apfel, mittlere Länge; sehr gute Qualität,jetzt trinken für die kommenden zwei Jahre, mittlerer bis hoher Preis.

Abgeschnitten von jedem maritimen Einfluss liegt das Duero-Tal in einer Hochebene, abgeschottet durch eine Kette von Bergen. Die Höhe kann bis zu 1000 Meter über Meer betragen; das heisst, die Nächte kühlen deutlich ab und das kontinentale Klima wird somit abgeschwächt. Dieses Faktum trägt bedeutend dazu bei, dass das Ribera del Duero qualitativ sehr hochwertige Weine hervorbringt.

El Moro 2009, Ribera del Duero
Klares, tiefes purpurrot, dicht bis zum Rand; In der Nase sauber und ausgeprägt, Kirsche, Pflaume, Nelken, feiner Havanna-Tabak, Am Gaumen trocken, Säure mittel, Gerbstoffe mittel, Alkohol mittel(+), Körper mittel(+), Geschmacksintensität mittel (+), Kirsche, Eichenwürze, Länge mittel(+); sehr guter Wein, kann schon getrunken werden, profitiert von weiterer  Lagerung, hoher Preis.

Der eigentliche Pirat in dieser Serie stammt aus dem portugiesischen Alentejo. Nicht nur die Trauben sind andere als in Spanien – Alicante Bouschet, Aragonez, Alfrocheiro, Trincadeira und etwas Cabernet Sauvignon – sondern auch das Klima ist kontinental mit mediterranen Einflüssen: wenig Regen und sehr heisse Sommer.

Monte do Castanheiro, Quinta do Zambujeiro 2010, Alentejo
Klares, mittleres (+) Purpurrot, Wasserrand; sauber, ausgeprägte Nase, Sauerkirschen, Vanille, Toffee; Am Gaumen trocken, Säure mittel(+), Tannin mittel, Alkohol mittel (+), Geschmackausprägung mittel, Kirsche, Cappucino; Mittlere Länghe, guter Wein, mittlerer Preis, jetzt zu trinken.

Rioja umfasst verschiedene Klimatypen: Geschützt maritim in der Rioja Alavesa und in der Alta, Kontinental in der Rioja Baja. Das schützende Element ist die Sierra Cantabria, welche das atlantische Waschküchenwetter von der Alavesa und der Alta abhält. Nicht nur das Klima wird immer kontinentaler, das heisst trockener, auch die Reben stehen je kontinentaler desto weniger hoch.

Castillo Ygay Rioja Gran Reserva Especial 2004
Klares, mittleres rubinrot mit granatorotem Rand, saubere, ausgeprägte Nase, Vanille, Kokosnus, Gewürze, Kirschenkompott,  Schokoloda, Kaffeebohnen. Am Gaumen trocken, Säure mittel (+), Tannin mittel(-), Alkohol mittel(+), Eichennoten, florale Noten, dunkle Schokolade, Oliven, Kaffee. Ausgewogen, fein, Länge mittel(+); sehr gute Qualität, jetzt zu trinken, nicht mehr weiter lagern, Premium-Preis

Im Priorat haben sehr viele Boutique-Wineries eröffnen können, Dank in- und ausländischen Investoren. Das Klima ist Mediterran, wobei die Höhenlagen von 500 bis 700 Metern einen mässigenden Einfluss besitzen.

Les Terrasses 2010, Alvaro Palacios, Priorat
Klares, mittel(+) Purpur, zähflüssige Tränen; saubere, ausgeprägte Nase, Rote Früchte, Würznoten, Kräuter; Trocken, Säure mittel (-), Tannin mittel, Alkohol hoch, Körper voll, Geschmacksintensität mittel, rote Früchte, Sauerkirschen, Bouillon. Zu trinken mit Potential für 3-5 Jahre

Vor 194 Woche gesendet

Italienische Weine auf Diploma-Prüfungs-Level

Mit meinen Studenten trainiere ich immer noch jeden Montag abend für das Level 3 des Wine and Spirit Education Trust. Als Verkostung hat sich eine tolle Reihe ergeben, wie Sie auch an meiner Diploma-Prüfung für Unit 3 vorgekommen ist mit folgender damit verbundener Frage: Folgende Weine stammen aus dem gleichen Land; identifizieren Sie das Land und beschreiben Sie die Weine so genau wie möglich. In unseren Fall ist das Land klar, aber das herausschmecken der verschiedenen Stilistiken ist Herausforderung genug: Hier die Notizen dazu, nach einem kleinen Schluck Soave zur Einstimmung:

Soave Le Varie 2011, Masi
Helles, klares strohgelb, feiner Wasserrand; sauber in der Nase, mittel-intensiv, Zitrusfrüchte, feine Rauchnoten, Birne; Trocken am Gaumen, Säure mittel(+), mittlerer Alkohol, Körper mittel(-), Zitrusnoten, etwas exotische Noten (Banane); Länge mittel(-), Guter, eher einfacher Weisswein, jetzt zu trinken.

Vino nobile di Montepulciano Riserva 2007, Le Bèrne
Klares, mittleres Rubin, fein aufgehellt zum Rand, Tränen am Glasrand; sauber in der Nase, ausgeprägte Nase, Amarenenkirschen, Zwetschgenkompott, Feigen, Zimt, feine, eingebunden Holznoten, entwickelt; am Gaumen trocken, Säure mittel, Gerbstoff mittel(+), sehr saftig, Alkohol mittel (+), voller Körper, Zimt, Nelken, Kaffeenoten; Kräftiger Wein, intensiv, lang; sehr gute Qualität, jetzt zu trinken für die nächsten zwei drei Jahre, hoher Preis.

Amarone della Valpolicella Riserva 2007, Musella
Klares, mittleres rubinrot, deutliche Tränen; sauber, ausgeprägt, in der Entwicklung, Sauerkirschen,Cassis, Kompott, Rosinen, Bergamotte; trocken, mittlere Säure, mittleres (-) Tannin, hoher Alkohol, voller Körper, Aromen mittel(+), Rumtopf, orientalische Gewürze, Eindruck von Süsse; sehr warmer Wein, mittlere Länge; sehr guter Amarone, hoher Preis, kann schon getrunken werden, profitiert von Lagerung.

Primitivo di Salento 2010, Torciacoda
Klare, tiefe purpurrote Farbe, feiner Wasserrand; sauber, Intensität mittel(+), rote Beeren, Milchschokolade, Vanille, Kompott; trocken am Gaumen, Säure mittel(+), Alkohol mittel(+), mittlere Gerbstoffe, Körper mittel(+), Intensität am Gaumen mittel(+), pflaumen, Vanille, würzig; mittlere Länge. Sehr guter Wein, jetzt zu trinken, mittlerer Preis.

Barolo 2008, Mauro Veglio
Aufgehelltes rubinrot mit granatroten Ausläufern; sauber, Intensität mittel(+), Kirsche, Veilchen, getrocknete Feigen; trocken, Gerbstoff mittel(+), Säure hoch, Körper mittel (+), ausgeprägte Aromen, Blumen, Feigen, Nelken, wirkt sehr saftig am Gaumen, mittlere Länge; guter Barolo, hoher Preis.

Vor 196 Woche gesendet

Deutschland – Merkt man den Unterschied?

Das Klima in Deutschland ist kontinental; das heisst: die Winter sind lange und relativ trocken, die Sommer eher warm und feucht, der Herbst dafür wieder trocken. An der Randzone des Weinbaus brauchen die Trauben also eine lange Reifeperiode, um überhaupt auszufreifen. Daneben begünstigt dieses Klima mit langen trockenen Herbsten auch die Bereitung von verschiedenen Weinstilen. Deutsche Weine erhalten mit höherer Mostkonzentration auch höhere sogenannte Prädikate. Die Frage am Deutschlandabend des WSET®-Level 3-Kurses ist: Kann man die unterschiedlichen Prädikate schmecken? Hier die Notizen der verkosteten Weine und somit ein Versuch einer Antwort: Riesling zu erkennen ist nicht sehr schwer, wenn er aus einem kühlen Klima kommt. Sobald es aber gemässigter wird – wie in unserem Fall in Baden, oder auch in der Wachau – ist die Zuordnung nicht mehr so eindeutig. Die klare geradlinige Frucht wird zunehmend exotischer und würziger; spätestens ab hier wird dann die Unterscheidung zu würzigem Grünen Veltliner aus vergleichbarer Gewichtsklasse recht anspruchsvoll.

Steinberger Riesling trocken 2011, Kloster Eberbach
Klares mittleres zitronengelb, feiner Wasserrand; sauber, Intensität mittel(+), Bouquet in der Entwicklung, Zitrusfrüchte, wenig Pfirsich;Am Gaumen trocken, hohe Säure, Alkohol mittel(-), Körper mittel(-), mittlerer Geschmack, vor allem Zitrusaromen, etwas eindimensional, Abgang mittel (-); Sehr leichtgewichtiger, mässig komplexer Wein; Spricht für einen einfacheren Gutsriesling.

Rauenthaler Riesling Kabinett 2012, Kloster Eberbach
Klares, mittleres zitronengelb, feiner Wasserrand, sauber, Intensität mittel (+), Bouquet in der Entwicklung, Ananas, Pfirsich. Am Gaumen halb-trocken, hohe Säure, geringer Alkohol, mittlerer Körper, ausgeprägter Geschmack, Steinobst, Limetten, ausgesprochen feines Süsse-Säure-Spiel; Gelungener Kabinett mit wunderbarem Süsse-Säure-Spiel; lecker.

Klingelberger Plauelrain, Riesling Spätlese trocken 2011, Durbacher Winzergenossenschaft (Baden)
Klares, mittleres zitronengelb, feiner Wasserrand, sauber, ausgeprägt, Bouquet in der Entwicklung, florale Noten (Rose); trocken, Säure mittel, Alkohol mittel(+)Körper mittel, mittlere Geschmacksausprägung, würzig, blumig, exotische Noten. Spätlese aus wärmerem Klima (Baden).

Riesling Grosses Gewächs Ihringer Winklerberg Herrgottswinkel, Fass 36, Weingut Stiegler
Klares mittleres Zitronengelb; sauber, ausgeprägt, blumig, Mandarine, Bergamotte, Limetten; Am Gaumen trocken, Säure mittel(+), mittlerer Alkohol, Mineralisch, orientalisch, gute Länge. Komplexer Wein, Grosses Gewächs aus einem wärmeren Klima.

Berg Vogelsang Gründer Veltliner 2012, Weingut Bründelmayr (der Pirat aus dem Nachbarland sozusagen…)
Mittleres Zitronengelb, feiner Wasserrand; Intensität mittel(+), Steinobst, weisser Pfeffer, feine kräuterige Noten; Am Gaumen trocken, mittlere Säure, Alkohol mittel(+), Körper mittel(+), würzig, pfeffrig, mittlere Länge. Würziger Grüner Veltliner der Mittelklasse.

Vor 197 Woche gesendet

Bordeaux: Einmal links, einmal rechts und dann rundherum

Viel wird geschrieben, noch mehr gesagt über Bordeaux. Ein Mythos, voll von Spekualtionen und Spekulanten, höchstes Renomée und ebensolche Preise;…

Was international Furore macht, ist nur die Spitze eines Eisberges. Im verborgenen, unter der Wasseroberfläche sozusagen gibt es hervorragende Weine mit einem sehr guten Preisleistungsverhältnis; und tolle Cabernets und Merlots gibt es auch ausserhalb von Bordeaux. Das wird einem bewusst, wenn 5 Rotweine blind ausgeschenkt werden: es treten an: ein einfacher Côtes de Bordeaux, je ein Cru Classé von links und von rechts, ein kräftiger Cahors und als Pirat der beste Cabernet Österreichs – gereift notabene.

Château Haut-Bergey blanc 2008, Pessac-Léognan

Klares, Mittleres Goldgelb, deutliche Schlierenbildung; sauber, ausgeprägt, voll entwickelt, eventuell sogar etwas weiter in der Reife, angeschnittener Apfel, Quitte, feine Röstnoten (Holz);Am Gaumen trocken, mittlere Säure, Alkohol mittel (+), Körper mittel(+) ausgeprägter Eichennoten, feine Kräuternoten, Holunder;Sehr guter gereifter Premium-Weisswein, hat etwas von der Frucht verloren und viel Eichenholz erhalten, jetzt zu trinken, nicht mehr weiter lagern

 Château Peybonhomme les Tours 2011, Blaye – Côtes de Bordeaux

Mittleres Rubin, klar, feiner Wasserrand; sauber, mittlere Intensität, jugendlich, Kräuternoten, würzig, etwas unreif-grün; Trocken, mittlere Säure, Tannin mittel(+), mittlerer Alkohol, mittlerer Körper, mittel intensiv, etwas ruppig, grünlich, wirkt unreif, mittlerer Abgang, leicht bitterlich; durchschnittlicher Wein, trinken, rundet sich eventuell mit Lagerung etwas ab, günstig.

Château Mondorion 2010, Saint-Emillion Grand cru

Klares, tiefes rubin, feiner Violettanteil zum Rand; sauber, ausgerägt, rote Früchte, feine Würze; trocken am Gaumen, mittleres, sehr reifes Tannin, mittlere Säure, Alkohol mittel(+), Kräftiger Körper, ausgeprägt im Geschmack, rote Frückte, Eichennoten, recht ausgewogen für einen so massiven Wein, Abgang mittel (+); sehr guter, trinkbarer Wein, profitiert von etwas Lagerung, Premium-Segment.

Château Branaire-Ducru 2008, Saint-Julien cru classé

Klares, mittleres rubinrot, feiner Wasserrand; sauber, ausgeprägt und voll entwickelt, Amarenenkirschen, Schokolade, Kaffee, kalter Rauch; Trocken, Säure mittel (+), Tannin mittel (+), sehr feinkörnig, Alkohol mittel (+) mittlerer Körper, mittlere Geschmacksintensität, Eichennoten, Kaffee, Teer, Rauch, wenig dunkle Beeren; recht ausgewogen, der Gaumen hinkt etwas hinter der Nase; sehr guter Wein, jetzt zu trinken, Premium-Preisklasse.

Cabernet Sauvignon 1995, Anton Kollwentz, Burgenland/AUT

Klares, mittleres rubin mit granatrotem Rand; sauber, Intensität mittel (+), Cassis, rote Peperoni, Vanille Tabak, voll entwickelt;Trocken, mittlerer Geschmack, mittlere Säure, mittleres Tannin (reif), Geschmacksintensität mittel: Tabak, Cassis, Rauch, feine Würze; Sehr ausgewogener, sehr guter Wein, mittlerer Abgang, trinkreif, Premium- Preisklasse.

Château de Mercuès 2010, AOC Cahors

Tiefes, undurchsichtiges purpurrot, feiner Wasserrand; sauber, mittel (+) intensive Nase, jugendlich, Kirschfrucht, Dunkle Beeren, ätherisch;Trocken, mittlere Säure, hohes Tannin, Alkohol mittel (+), mittlerer Körper, Geschmack mittel (+), Lakritze, dunkle Früchte, Schokolade, bitterliche Noten, mittlerer Abgang; Guter, junger Wein mit etwas Potential, mittlerer Preis.

Château Sigalas Rabaux 2008, Sauternes cru classé

Klares, mittleres Bernsteingelb, sauber, ausgeprägt, in der Entwicklung, Honig, Mandeln, getrocknete Früchte; süss am Gaumen, ausgeprägte Aromen, Honig, Aprikosen, Mandeln, voller Körper, Säure mittel (-), Abgang mittel (+); Guter Sauternes, kann gut getrunken werden, ohne Eile…

Vor 199 Woche gesendet

Burgund auf Level 3!

Man muss ihn sich verdienen, den ersten spannenden Verkostungsabend im WSET®-Level 3. Natürlich, der erste Abend war ganz der Systematik gewidmet; entsprechend waren die Muster markant für irgendeine Komponente (hohe Säure vs. wenig Säure, viel Alkohol vs. wenig, usw.).

Abend zwei dann beleuchtet die Weinherstellung und die klimatischen Bedingungen, natürlich mit Mustern, aber eher in der Art von: Holz oder kein Holz, Rhône oder Barossa.

Auf den Burgunder Abend freue ich mich schon das ganze Wochenende. Könnte ein Montag lustvoller starten? Hier erzählt Wein eine Geschichte: von Millionen Jahre alten Gesteinsformationen (Chablis), Menschen und Klassifizierungen (Côte d’Or) oder nicht gekannten Herstellungsverfahren (Beaujolais). Geographisch ein kleines Gebiet, mit einer enormen Vielfalt und dem Potential einem tief einsinken zu lassen – beim Chablis wurde ich beinahe verrückt vor soviel trinkbarer, präsenter Erdgeschichte.  Ja ich mag es nicht verheimlichen, dieser Wein hat es mir besonders angetan. Spannend wie immer in einem Weinkurs ist auch die Diskussion mit der Gruppe; wir nähern uns erstaunlich an die jeweiligen Weine an.

Zum Schluss dann noch einen kurzen Exkurs ins Elsass; nächste Woche geht es weiter mit Bordeaux: weiss, rot, links & rechts und sicher auch lecker…

Die verkosteten Weine:

1. im Schwarzen Glas, als Pirat sozusagen, und damit die Theorie nicht zu trocken Gerät; mit Auflösung zum Ende (Malanser Blauburgunder traditionell 2011, Georg Fromm, Graubünden/Schweiz)

Die Beurteilung des optischen Eindrucks ist dem schwarzen Glas geopfert; sauber, mostige Aromen, mittel intensiv, voll entwickelt, Erdbeeren, Heidelbeeren, etwas Moos; trocken, mittlere Säure, mittleres, feines Tannin, mittel-plus Alkohol, mittlerer Körper, rotbeerig im Gaumen, feine Würze, mittlere Länge, gute Qualität; die Schweiz hält sich gut…

2. Chablis 1er cru Vaillons 2008, William Fèvre, Chablis

Klares, mittleres Zitronengelb mit feinem Wasserrand, sauber, ausgeprägt, in der Entwicklung, Zitrusnoten, Kräuterwürze, intensiver Muschelkalkduft; trocken, hohe Säure, Alkohol mittel, mittel-plus Körper, grüner Apfel, extrem saftig, pflanzlich, ausgeprägt mineralisch (ein excellentes Beispiel für Mineralität), kein Holz, kräftiger Körper; sehr frische Stilistik, macht enorm Lust auf einen zweiten Schluck, mittel-plus im Abgang; sehr guter Chablis, jetzt trinken ohne Eile – aber bitte reichlich davon; jumie…

3. Puligny Montrachet 2011, Jean-Marc Boillot, Pommard        

Klares, blasses goldgelb, feiner Wasserrand; sauber, ausgeprägt, feine Röstnoten, Kräuter, Blumenduft (Weissdorn?), Birne, jugendlich, trocken, Säure mittel-plus, reifere Fruchtnoten, Vanille, Eichenröstung, weisser Pfirsich, lang im Abgang; noch etwas ungestüm, profitiert von etwas Reifung, sehr guter weisser Burgunder.

4. Chiroubles 2010, Georges Duboeuf

Klares, mittlers rubin, leicht aufgehellt zum Rand; sauber, mittel-plus intensive Nase, rote Beeren und Früchte, Kirsche, Erdbeere, wirkt entwickelt,

trocken, mittlere Säure, mittleres, etwas grobes Tannin, mittlerer Alkohol, mittlerer Körper, Geschmack geprägt von roten Früchten und einer feinen Würze, etwas kurz im Abgang

5. Bourgogne Pinot Noir 2009, David Duband,

klares, blasses rubinrot, Wasserrand, mittel-intensive Nase, rote Früchte, jugendlich, leicht stielige Noten;

trocken, mittlere Säure, mittel-plus im Tannin, leicht grünlich, mittel-plus im Alkohol, mittlerer Körper, dezente Geschmacksausprägung, mittel-plus Säure, etwas animalische Noten, würzig, kräuterig, mittlere Länge, etwas unausgewogen, auf der grün-unreifen Seite.

6. Savigniy-lès-Beaune 1er cru Champs Chevrey 2004, Domaine Tollot-Beaut

Klares, mittleres, granatrot, feiner Wasserrand; sauber, ausgeprägt, entwickelt (reif) Tabak, Waldboden, Bourbon;

Trocken, mittlere Säure, mittleres(-) Tannin (sehr fein), Alkohol mittel, mittel-plus im Körper, mittel-plus im Geschmack, Rauchnoten, Geselchtes, fein, rund, wirkt gereift, mittel-plus Länge, sehr guter Wein, jetzt zu trinken.

7. Riesling d’ Alsace Grand Cru Schoenenbourg 2010, Cave de Beblenheim

Klares mittleres Zitronengelb, feiner Wasserrand; sauber, mittel-plus Intensität, reifes Steinobst, wirkt entwickelt (Petrolnoten);

Trocken, Säure mittel-plus, mittel-plus Alkohol, mittel-Plus im Körper, mittlerer Körper, Abgang mittel-minus; wir hätten bei einem Grand Cru etwas mehr erwartet…

8. Gewürztraminer d’ Alsace Grand Cru Sonnenglanz 2011, Cave de Beblenheim

Klares, mittel-minus goldgelb; Nase ausgeprägt ,sauber, Rose, Ingwer, Pfirsich,

mittelsüss, mittlere Säure, Alkohol mittel-plus, voller Körper, ausgeprägter Geschmack, (Strassenküche in Asien)

Vor 200 Woche gesendet

Mit Weinfehlern zur Meisterschaft?

Jedes Jahr zur heissen Sommerszeit ist es wieder soweit: für ein kleines, definitiv verrücktes Grüppchen von Weinprofis, die glauben, schon alles zu wissen und dennoch das Bedürfnis haben, noch einen Wein-Bildungsschritt drauf zu geben, öffnet sich das Anmeldefenster für ein Master-of-Wine-Studium.

Über die Verrücktheit, die nächsten Jahre für eine Prüfung zu büffeln, bei der eine Durchfallquote von 98% völlig normal ist, möchte ich mich gar nicht auslassen. Ich habe mich entschieden - oder besser mein Bauch hat - anzutreten im Jahr 2014 für das Basisseminar in Rust am Neusiedlersee.
Bis dorthin ist es nicht diese 98%-Hürde, die es zu überwinden gilt; nein, es ist das Anmeldeprozedere. Persönliche Angaben, ein Empfehlungsschreiben, eine praktische Verkostung von vier Weinen und ein Essay von 1000 Wörtern. Alles bleibt gleich für die nächsten zwei Monate, einzig das Essay-Thema wechselt alle fünf Tage: elf Chancen, um auf die letzte, die zwölfte zu hoffen?

Aktuell ist das zweite Thema eingestellt: Die wichtigsten Weinfehler - wie kann man sie entdecken und vorbeugen.

2,4,6-Tri-Chlor-Anisol, Tartratablagerungen, Oxidation, Reduktion, zweite Gärung, Fremdkörper, flüchtige Säure, Brettanomyces, Überlagerung? Können das schon alle sein, laufe ich Gefahr, was ganz Wichtiges zu vergessen? Kann es jemand nachvollziehen, wenn der Funke nicht gleich springt? Drei Tage bleiben, bis zum nächsten Thema; dazwischen werde ich sicher schon einmal zwei der vier Weine verkosten: einen White Zinfandel der Einstiegskategorie und einen Rosé aus der Provence. Ich meine, das passt ganz sicher für die aktuellen Sommertage.

Vor 204 Woche gesendet
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Vor 205 Woche gesendet